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REPORTAGE

Wide Color Gamut vs. sRGB – Farben unter Kontrolle gebracht

Von Denis Freund
28.01.2009, 10:00 Uhr

Umsteigern auf ein Display mit erweitertem Farbraum (gerne beworben als "Wide Color Gamut") wird beim ersten Einschalten vor allem das Adjektiv "bunt" in den Sinn kommen. Tatsächlich führt der, gegenüber sRGB vergrößerte Farbraum zu einer sichtbaren Übersättigung in der Darstellung von entsprechendem Quellmaterial.

Mit einer Kalibrierung per Colorimeter und anschließender "Vermessung" des Monitorfarbraums im Zuge der Profilierung, umgeht man das Problem in farbmanagementfähiger Software elegant. Sie übernimmt die Transformation der RGB-Werte, so dass bei korrekt hinterlegtem Quellprofil ein farbechtes Arbeiten möglich wird. Meist kann man auch problemlos in AdobeRGB arbeiten, was mit Bildschirmen ohne erweiterten Farbraum nicht sinnvoll möglich wäre.

Leider greift das Farbmanagement nicht überall. Die beiden farbmanagementfähigen Browser (Firefox 3 und Safari) beschränken sich naturgemäß auf die korrekte Darstellung von eingebundenen Bildern (sofern sie in sRGB vorliegen, oder das korrekte Farbprofil hinterlegt ist), während grafische Elemente der Website einfach "durchgereicht" werden. Auch Spiele müssen ohne Farbmanagement auskommen und präsentieren sich entsprechend bunt. Das muss, je nach Spiel und Betrachter, nicht störend sein – kann es aber. Besonders betroffen ist allerdings die Videowiedergabe. So definiert Rec.709 für HDTV einen Farbraum, der die gleichen Primärfarbpositionen wie sRGB aufweist. Die "farbenfrohe" Wiedergabe ist garantiert, hat aber wenig mit der gewünschten Bilddarstellung zu tun.

Was tun?

Im TV-Bereich sind Bildschirme mit erweitertem Farbraum inzwischen Normalität. Selbst im Hinblick auf xvYCC ist das nur auf den ersten Blick wirklich durchdacht. Denn bis entsprechendes Material, z.B. auf Blu-ray, verfügbar ist, wird noch viel Zeit vergehen – falls es überhaupt zu einem Einsatz kommt. Allerdings bietet faktisch jeder TV per Menü die Möglichkeit, seinen Farbraum entsprechend den heute üblichen Quellfarbräumen zu begrenzen.

Diese Möglichkeit fehlt im Bereich der Computer-Displays. Einen Ausweg bieten einige wenige High-End Modelle, wie sie z.B. von Eizo vertrieben werden. Die CG-Serie realisiert über die programmierbare LUT eine Farbraumemulation. Damit ist eine korrekte Darstellung auch in ungemanagten Umgebungen möglich.

Die 6-Achsen-Farbkorrektur

Die aktuellen NEC und Eizo-Bildschirme halten in ihrem OSD eine Funktion verborgen, die beim Überfliegen der Spezifikationen leicht untergeht. Dabei ist die "6-Achsen-Farbkorrektur" ein probates Mittel, um eine "Farbraumemulation light" durchzuführen. Voraussetzung ist allerdings ein Colorimeter und die frei erhältliche Software "HCFR", die eigentlich für die Kalibrierung von LCD-, Plasma-TVs und Beamern gedacht ist.

Die 6-Achsen Farbkorrektur des Eizo SX3031W.

Wir wollen im Folgenden einen Eizo SX3031W beispielhaft auf sRGB begrenzen. Unser Testsetup besteht neben dem Bildschirm aus dem Colorimeter x-rite DTP94 und der Software HCFR sowie iColor von Quato.

Die Vorgehensweise

Zunächst möchten wir voranstellen, dass der folgende Workflow keinen Ersatz für eine professionelle Farbraumemulation ist. Allerdings sind die erzielten Ergebnisse erstaunlich gut und für den Home-User-Bereich völlig ausreichend.

Schritt 1: Die besten Ergebnisse haben wir erzielt, indem wir vor dem Einsatz vor HCFR zunächst eine Kalibrierung mit iColor durchgeführt haben. Als Vorgabe wählen wir: Weißpunkt 6500K, Helligkeit 140 cd/m² und Gamma 2,2.

Erläuterung der 3D Ansichten: Das schwarze Gitter stellt den jeweiligen Standard-Farbraum dar, das weiße den Monitorfarbraum. Die tatsächliche Schnittmenge beider Farbräume macht der bunte Würfel kenntlich. Der Monitorfarbraum kann den tatsächlichen Farbraum dann nicht mehr darstellen, wenn das schwarze Gitter aus dem Würfel herausragt. Wenn der Monitorfarbraum größer ist als der jeweilige Standardfarbraum, so ragt das weiße Gitter aus dem Würfel heraus.

Nach Abschluss von Kalibrierung und Profilierung speichern wir das erstellte ICC-Profil. Der Monitorfarbraum stellt sich in einer 3D-Ansicht im Vergleich mit sRGB nun folgendermaßen dar:

Monitorfarbraum des Eizo SX3031W im Vergleich mit sRGB

Ohne das Tonwertmapping in farbmanagementfähiger Software ergibt sich mit sRGB als Quellfarbraum die gewohnt bunte Darstellung.

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